Vereinsgeschichte2019-01-02T01:44:11+00:00
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Die St. Georgener Musik im Wandel der Zeiten

Vorgeschichte: Die St. Georgener Dorfmusik 1867-1874

„Die der damaligen Musik angehörenden Männer sehe ich heute noch, nach fast 60 Jahren, genau vor mir und will ich daher zunächst ihre Namen, auch ihre sogenannten „Beinamen“ deren in jener Zeit wohl die meisten „St. Georgener“ einen hatten, bekanntgeben.
Theodor Wintermantel (s‘ Adlerwirts Theodor), Josef Kammerer (d’r Schnitzlersepp), Albert, Schuler (s‘ Schulers Albert), Gottfried Lehmann (s‘ Lenze Rother), Friedrich Obergfell (d’r Schwizerdik), Edmund Maier (s‘ Maierles Edmund), Christian Stockburger (s‘ Philpjoke Christe, auch Posaunenchriste genannt), Alexander Staiger (d’r Wald-Xander), Clemens Staiger (d’r Wald-Menz), Max Weisser (s‘ Hansels Max), Joh. Weisser (s‘ Hansels Hans), David Ketterer (s‘ Maleries David)

Erst von einem Musiklehrer aus Triberg unterrichtet; übernahm zwischenzeitlich ein Militärmusiker namens Mark dessen Stelle, bis ihm dies von seiner vorgesetzten Behörde untersagt wurde. Trotz Verbot widmete er sich heimlich des Unterrichtes; und öfter kam es vor, dass er bei Ausflügen, hinter einem Baum oder Strauch sich verbergend, mitgeblasen hat; zu sehen war er aber nicht.

Wie es aber allerwärts bei Musikern vorkommt, so hat es auch hier fortwährend „gekriselt“. Es wurde fleißig geprobt, gestreikt, aber wenn etwas los war, wo Musik verlangt wurde, so war sie immer da, und zwar immer mit blank geputzten Instrumenten.

Die ersten fünfzig Jahre 1874-1924

Diese von Max Maier erwähnte Neuformation gab sich 1874 den Namen „Stadtmusikverein St. Georgen (Schwarzwald)“. Doch lassen wir nun Max Maier von den Anfangsjahren der Stadtmusik weiter berichten: „Einstweilen probten wir sehr eifrig unter der Leitung eines Herrn Kreutzer aus Furtwangen. Ab Juli 1878 übernahm Herr Musikdirigent Müller aus Triberg die Leitung.“

Über die weitere Entwicklung des Vereins liegen keine schriftlichen Unterlagen mehr vor. Man spielte weniger zu Konzerten, als vielmehr zu sogenannten „rechten Hochzeiten“ auf und vergaß ganz über das fröhliche Musizieren, der Nachwelt darüber zu berichten. Erst seit dem Jahre 1890 wird in den Protokollbüchern regelmäßig über das Vereinsgeschehen berichtet.

Einen Aufschwung erlebte die Stadtmusik 1896 unter dem Dirigenten Rudolf Bausch. Erstmals besuchte man ein Musikfest in Wolterdingen. Mit einem Pferdefuhrwerk rollte eine fröhliche Schar erwartungsvoll über Stock und Stein, gemächlich, aber umweltfreundlich zu diesem ersten Preiswettspiel. Auf der Rückfahrt hatten alle Musiker Anlass zur Freude über ihren ersten Auswärtserfolg, dem bald darauf ein weiterer hinzugefügt werden konnte.

1901 wurde unter der Leitung von Gustav Haas die ersten handgeschriebenen Statuten der Stadtmusik aufgestellt und an die Musiker ausgegeben. Um die Jahrhundertwende wurden enge und freundschaftliche Kontakte mit dem um elf Jahre älteren Turnverein geknüpft. Viele Jahre lang veranstalteten beide Vereine gemeinsam Kameradschaftsabende, Silvester- und Fastnachtsfeiern, die sich bei der Bevölkerung großer Beliebtheit erfreuten.

Die Musik probte 1903 für kurze Zeit im Gasthaus „Krone“, nur zwei Jahre später erhielt sie dann eine Bleibe im Kellergeschoß der heutigen Robert-Gerwig-Schule. Der Eintrag ins Vereinsregister beim Großherzoglichen Amtsgericht in Villingen erfolgte am 29. Juni 1908. Der Verein verfügte damals über 17 aktive Mitglieder. Als Vereinszweck wird in den Statuten unter § 1 genannt: „…Pflege der Musik, gesellige Unterhaltung und Hebung der Feierlichkeit bei besonderen Anlässen (Großherzogs Geburtstag etc.).“

Bei Ausbruch des 1. Weltkrieges wurden viele Musiker einberufen, wodurch die Probenarbeit zeitweise unterbrochen werden musste. Neue belebende Elemente kamen ins Spiel, als der 2. Musikverein in St. Georgen, die Harmonie, sich im April 1919 mit der Stadtmusik zusammenschloss. Mit dem Verkauf von Musikermützen wurde neues Notenmaterial angeschafft. Bemerkenswert sind die Eintragungen im Kassenbuch des Inflationsjahres 1923. So hat der Turnerbund der Stadtmusik für die musikalische Umrahmung einer Bannerweihe den stattlichen Betrag von 400 000 Mark bezahlt. Das Eintrittsgeld für ein Konzert wurde auf 1000 Mark festgelegt.

Unter großer Anteilnahme der ganzen Bevölkerung feierte die Stadtmusik im Jahre 1924 ihr 50jähriges Jubiläum. 38 Gruppen aus nah und fern haben sich damals am Festumzug durch die Stadt beteiligt. Der „Lokalgeschichtsschreiber St.“ fühlte sich berufen, das 50-jährige Jubiläum der Stadtmusik in Reime zu fassen. Unbestätigten Quellen zu Folge soll sich hinter dem Pseudonym der Heimatdichter Rudolf Wintermantel verbergen.

St. Georgens Musik, die gute
Trägt den Jubelkranz am Hute
Fünfzig Jahre sind es jetzt
Seit sie in die Welt gesetzt.
Alle Blasgenossenschaften
In dem Badnerlande schafften,
Übten, feilten, wie nicht g’scheit
Zu dem Jubelfeste heut‘.
Offene Herzen, offene Pforten;
Gute Biere ohne Borten,
Festjungfräulein, einfach süß,
Kurz, ein Päprerparadies!

Massen Bläser nun marschieren
Mit blitzblanken Blechgeschirren
Nach unserer Bergesresidenz
Zu der Tonkunstkonkurrenz.
Auf den eigenen Pedälern
Nah’n sie aus den fernsten Tälern
Selbst aus unserm Nachbarland
Kommen Schwaben angerannt.
Liebe Musikantenseelen!
In der Wirte Kellerhöhlen
Liegt ein Tröpflein wohlverwahrt,
Extra nur für Euch gespart.

Hätte unser Städtlein heuer
So ein altes Ringgemäuer
Fiel es heut‘ durch das Gebrumm
Wie in Jericho einst, um.
Niemand kann die Seufzer zählen
Die aus Dirigentenkehlen
In den Proben ohne Zahl
Stiegen auf zum Himmelssaal.
Uns’re Ohren sind nun spitzig
Und die Stadt ist wunderfitzig
Wer am besten bläst und pfeift
Und die schönen Preis‘ fortschleift.

Unsere Musikvorfahren
Gründeten vor 50 Jahren
Mit viel Umsicht und Geschick
Unsere schöne Stadtmusik.
Und mit Taschentuchgewedel
Kühlten sie die heißen Schädel
Und sie riefen in den Saal:
Donnerwetter! Noch einmal!
Teure Brüder, Festgenossen,
Seid an unser Herz geschlossen
Bei dem Klang der Melodien
Soll die alte Freundschaft blüh’n.

Damals klang es leis und schüchtern
Aus den neuen Messingtrichtern
Wenn sie heute musiziert
Geht die Sache wie geschmiert.
Ach, die Musikantenhaufen
Konnten’s wirklich kaum erschnaufen.
Endlich klappte es famos
Und man ging auf St. Schorsch los.
Dieses Fest der Töne weihe
Uns’re sturmerprobte Treue!
Pein im Herzen, rein im Klang
Laßt uns sein, das Leben lang!

Dieses Jubelfrauenzimmer
Prangt im Festtagsglockenschimmer
Jeder sieht sie tiefgerührt,
Fällt auf’s Knie und gratuliert.

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Die Jahre 1924 -1933

1927 leitete Dirigent Brinkmann einen andauernden musikalischen Aufschwung ein. So konnte beispielsweise anlässlich des Wertungsspiels beim Musikfest in Furtwangen 1928 bereits die Note „sehr gut“ in der Oberstufe erreicht werden.

Es war die Zeit der großen Arbeitslosigkeit, die nicht nur für die Stadt große Probleme brachte, sondern auch für die Stadtmusik. Viele Musiker verließen den Verein, um andernorts Arbeit zu finden. Es wurde beschlossen, bei einer Veranstaltung jedem Aktiven 2 Glas Bier zu bezahlen, um finanzielle Härten auszuschließen.

Zur Heranbildung des musikalischen Nachwuchses entstand 1932 das „Knabenorchester“, welches seine Tätigkeit mit immerhin 16 Mitgliedern aufnahm.

Die Stadtmusik im 3. Reich 1933 – 1945

Die Stadtmusik wurde im März 1933 aufgefordert, eine SS-Standartenkapelle zu gründen, was heftige Streitereien im Verein auslöste. Fast kam es zur Spaltung der Musik.

Letztendlich vermerkt das damalige Protokollbuch zwar, dass alle aktiven Musiker damit einverstanden waren, es gilt jedoch als sicher, dass sie keine andere Wahl hatten. Nicht linientreue Vereine hatten sich damals ja bekanntlich „freiwillig“ selbst aufzulösen. Da die Nationalsozialisten für alle Lebensbereiche und Bevölkerungsgruppen neue Gruppierungen schufen, wundert es nicht, dass die Stadtmusik bald einen übervollen Terminkalender bekam.

Auch im Verein hinterließ das 3. Reich seine Spuren, der 1. Vorsitzende wurde ab 1935 als „Vereinsführer“ bezeichnet.

Man meint zwischen den Zeilen eine gewisse Erleichterung herauszulesen, als am 1.2.1936 in das Protokollbuch eingetragen wurde: „Durch Wegzug des SS-Musikzugführers Paul Brinkmann ist die SS-Standartenkapelle aufgelöst und von jetzt an wird die Musik wieder als Stadtmusik weitergeführt“.

Es kamen schwierige Zeiten für die Kapelle. Viele aktive Musiker wurden zur Wehrmacht eingezogen, elf von ihnen fielen im Krieg. Zwar kamen nun Ältere regelmäßig wieder zur Probe, aber der Mangel an Musikern führte dazu, dass selbst beim „Jungvolk“ für die Mitgliedschaft in der Stadtmusik geworben wurde. Wer in der Stadtmusik mitspielen wollte, wurde vom Jungvolk-Dienst befreit. Viele, die aus politischen oder sonstigen Gründen nicht in dieser Parteiorganisation mitmachen wollten, gingen daraufhin als Jungmusiker zur Stadtmusik.

Mit der Ausrufung des „Totalen Krieges“ 1944 ging auch ein allgemeines Auftrittsverbot einher, und so musste Ende des Jahres die musikalische Arbeit zeitweise eingestellt werden.

Die Nachkriegsjahre 1945 – 1964

Am 30. August 1946 wurde unter Leitung von Willi Springmann der Verein neu gegründet und die genehmigten Statuten durch die Versammlung einstimmig angenommen. Gleichzeitig vereinbarte man für den 11. September ein Probedirigieren mit Herrn Montag aus Villingen, welcher bis 1948 als Dirigent tätig war.

Als Probelokal diente weiterhin das „Musikzimmer“ auf dem Dachboden der Schule, was den Nachteil hatte, dass es über keine Heizmöglichkeit verfügte. Im Winter war trotz Mantel aufgrund der Kälte ein Musizieren nach 21.00 Uhr kaum noch möglich. Die Räumlichkeiten wurden später für schulische Zwecke benötigt, und so bekam die Stadtmusik einen Probenraum in einer Baracke an der Schulstraße zugewiesen.

Diese konnte nun zwar mit einem „Kanonenofen“ notdürftig erwärmt werden, verfügte aber über keine Toilette. Rasch vergrößerte sich die Kapelle von 8 auf 23 Musiker und 16 Jugendliche, was Josef Nopper zu verdanken war. Die mühselige Aufbauarbeit übernahm 1948 als 1. Vorsitzender Karl Schonhard. 1951 wurde Willi Springmann der Dirigentenstab übertragen.

Bis 1952 musste im Übrigen jedes Sitzungsprotokoll gemäß Gesetzgebung der Besatzungsmächte noch die Versicherung enthalten: „Sämtliche Vorstandsmitglieder und Beiräte sowie Dirigenten sind parteilos und gehörten keiner Gliederung der NSDAP an“. In diese Zeit fällt auch die Anschaffung der ersten einheitlichen Bekleidung in Form von blauen „Skifahrermützen“, die durch roséfarbene Hemden ergänzt wurden.

Die Situation des Probenraumes konnte auf Dauer nicht zugemutet werden, und so fand die Stadtmusik erneut eine Bleibe im Schulhaus, diesmal im Kellergeschoß.
Unter der 9-jährigen Stabführung von Willi Springmann verzeichnete die Stadtmusik eine stetige Aufwärtsentwicklung. Von nun an erschien die Stadtmusik in einer „richtigen“ Vereinsuniform, einem taubengrauen Zweireiher und dazu passender Schirmmütze mit badischem Landeswappen.

Als Kieninger 1959 sein Amt als 1. Vorsitzender niederlegte, konnte kein Nachfolger gefunden werden, und so musste vorübergehend der 2. Vorsitzende, Heinz Kitiratschky, die Geschäfte führen, bis der damalige Bürgermeister Paul Leuchtenmacher als Präsident gewonnen werden konnte.

Dieses Amt hatte er bis 1964 inne und wurde darin von den geschäftsführenden Vorsitzenden Erhard Vogel und später noch einmal von Karl Schonhard unterstützt. Auch ein Dirigentenwechsel ist in dieser Zeit zu verzeichnen. Paul Stange übernahm für sieben Jahre die musikalische Leitung.

Unter seiner Stabführung wurden 1964 Tonaufnahmen vom Süddeutschen Rundfunk Stuttgart gemacht, die großen Anklang fanden. Nachdem der Wiederaufbau der Kapelle nach dem Krieg somit als gelungen angesehen werden konnte, stand als nächstes an, den Vereinsbestand durch eine geregelte Ausbildung der Jungmusiker zu sichern.

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Aufschwung in der Ära Volk und Petzold 1964 – 1987

Nach dem Wegzug Herrn Leuchtenmachers 1964 aus St. Georgen war die Stadtmusik ohne Vorstand. Um diesen Zustand zu beenden, stimmte Stadtrat Walter Volk dem Amt des 1. Vorsitzenden zu. Dies war der Beginn einer 23 Jahre dauernden Amtszeit, in der die Stadtmusik sehr an Ansehen in der Bevölkerung dazugewinnen konnte.

Als erstes strebte der neue Vorstand an, dem Verein das Image der „Heinemannmusik“ zu nehmen und seine Rolle als städtischer Kulturträger zu fundamentieren. So wurde zum Beispiel auch der Ablauf der Jahreskonzerte im „Deutschen Haus“ grundlegend geändert: Wurde bisher von einem „Conférencier“ aus Villingen mehr oder weniger gelungen durch das Programm geführt, konnte später Prof. Suppan als Fachmann für konzertante Blasmusik dazugewonnen werden, den Zuhörern in kompetenter Art und Weise die Stücke näher zu bringen. So erfuhren die Jahreskonzerte einen Wandel von reinen Unterhaltungsabenden zu kulturell höherstehenden Veranstaltungen. Die Stadtmusik erreichte dadurch Anerkennung in breiten Kreisen der Bevölkerung und des Stadtrates.

Wieder einmal stand ein Wechsel des Probelokals an. Die Proben fanden nun in der sogenannten „MB-Garage“ statt, etwa am heutigen Standort des Glockenspiels auf dem Marktplatz. Da sich die Anwohner von der Probentätigkeit belästigt fühlten, zog man wenig später in den „MB-Bau“ (gegenüber der St. Georgs Apotheke) um.

Wie bereits erwähnt, bestand die Hauptaufgabe des Vereins nach 1964 darin, den Bestand des Vereins durch Gründung einer Jugendkapelle zu sichern. In Vorstand Volk hatte die Stadtmusik hierfür jemanden gewonnen, der sich mit großem Engagement dieser Aufgabe widmete. Als Lehrer an der Rupertsbergschule begann er auch recht bald und erfolgreich, die Werbetrommel unter den Schülern zu rühren. Die Instrumente für die Jugendausbildung wurden aus den Einnahmen einer dafür abgehaltenen Tombola beschafft.

1966 traten dann die Jugendlichen unter der Leitung von Paul Stange erstmals öffentlich auf. Da der Vorstand den Jugendlichen keinen Auftritt am Abend zumuten und nicht mit dem traditionellen Konzerttermin anderer Musikvereine (2. Weihnachtsfeiertag) kollidieren wollte, fiel die Wahl auf den 3. Advent zur „Kaffeezeit“. Dieser Termin ist seither beibehalten worden und er gehört in St. Georgen zur festen Tradition im Veranstaltungskalender.

Ab 1967 stand mit Wolfgang Petzold dem Vorstand ein Dirigent zur Seite, der sich ebenfalls der Sache der Jugend verschrieben hatte. Unzählige Jugendliche wurden von ihm an den unterschiedlichsten Instrumenten ausgebildet. Darüber hinaus konnte die Stadtmusik unter seiner Stabführung ihre Leistung in bisher nicht gekanntem Maß steigern. Zum Repertoire zählen seither, neben der traditionellen Blasmusik, auch moderne Blasmusikstücke zeitgenössischer Komponisten.

Mit Gründung der St. Georgener Narrenzunft 1967 erwuchs der Stadtmusik in der Teilnahme am Rosenmontags- und Hemdglonkerumzug (später Sternenmarsch) ein neues Betätigungsfeld. Seit dieser Zeit gehören auch zwei Stücke zum Repertoire: Der „Fohrebobbele“ Marsch von Willi Löffler und der „Sandergemer Narremarsch“ von Otto Kiefer (später von Jürgen Frommherz neu arrangiert).

Im September 1967 trat die Stadtmusik erstmals im Ausland auf, anlässlich eines Besuches im französischen Remiremont. Diesem Auftritt schloss sich dann die Teilnahme am internationalen Musikfest in Epinal 1968 an.

Mit der Gründung der Jugendmusikschule, an welcher er als Musiklehrer tätig war, wurde 1968 der Dirigent der Stadtmusik zum „Städtischen Musikdirektor“. Überhaupt entwickelte sich in Bezug auf die Jugendausbildung eine Zusammenarbeit mit der Jugendmusikschule. Diese hat auch stets gerne die Möglichkeit genutzt, gering oder gar nicht besetzte Register mit Musikern der Stadtmusik zu verstärken und umgekehrt.

Anlässlich des 40-jährigen Jubiläums übernahm die Stadtmusik 1968 die Patenschaft für den Musikverein Fischbach.

Aus vereinsrechtlichen Gründen musste 1969 die offizielle Bezeichnung von „Stadtmusikverein St. Georgen im Schwarzwald e. V.“ in „Stadtmusik e. V.“ geändert werden. 1983 wurde dann der noch heute bestehende Name „Stadtmusik St. Georgen im Schwarzwald e. V.“ in das Vereinsregister eingetragen. Diese Umbenennungen waren für die St. Georgener Bevölkerung jedoch unbedeutend, sprach und spricht sie seit jeher immer schon von ihrer „Stadtmusik“.

1974 wurde erstmals, zusammen mit dem Trachtenverein, die Partnerstadt Saint Raphaél besucht.

Für 1975 stand dann die Feier des 100-jährigen Jubiläums der Stadtmusik auf dem Programm. Musikalisch und organisatorisch war der Verein auf einem absoluten Höhepunkt seines bisherigen Bestehens angelangt. Die Kombination aus Walter Volk als Vorstand und Wolfgang Petzold als Dirigent zeichnete sich hier als glückliche Wahl in der Vereinsführung aus.

Mit die schönste Auszeichnung für dieses bewährte Team war die Verleihung der „Pro-Musica-Plakette“ durch den damaligen Bundespräsidenten, Walter Scheel, am 9. März 1975 an die Stadtmusik St. Georgen.

In Zusammenhang mit dem 100-jährigen Jubiläum der Stadtmusik entstanden auch die ersten Fernsehaufnahmen des Vereins. Für einen 3-minütigen Bericht in der Abendschau gastierte ein Aufnahmeteam des Südwestfunks 2 Tage in St. Georgen.

Rechtzeitig zum Jubiläum wurde auch eine neue Einheitskleidung für den Verein gekauft: Eine weiße Uniform, die neben der bisherigen noch eine Zeitlang als ausschließliche „Sommeruniform“ getragen wurde.

Das Fest zum 100-jährigen Jubiläum fand vom 13. – 16. Juni 1975 statt. Auf dem Roßberg wurde ein Festzelt für 3000 Besucher aufgestellt. Höhepunkt war der Festumzug mit 19 teilnehmenden Vereinen. Zum Abschluss des Festes gastierte Schlagersänger „Heino“ am Montagabend, was das Festzelt fast aus allen Nähten platzen ließ.

Durch die Sanierung des Stadtkerns musste wieder das Probelokal gewechselt werden. Das neue Domizil befand sich nun in den Räumen der Kaufmännischen Berufsschule in der Bahnhofstraße.

Als kommunale Aufgabe ersten Ranges stand in jener Zeit auch der Bau der Stadthalle auf dem Programm. Auch die Stadtmusik leistete durch Abhalten eines Benefiz-Konzerts und den Verkauf von „Bausteinen“ ihren Beitrag zur Finanzierung dieses Projekts.

Mit dem Trachtenmusikverein Langenschiltach bekam die Stadtmusik St. Georgen 1977 einen zweiten Patenverein. Die Patenschaft wurde anlässlich des 50-jährigen Bestehens des Trachtenmusikvereins übernommen. Langenschiltach war ja seit der Kreisreform 1973 ein Ortsteil von St. Georgen. Eine gute Zusammenarbeit der beiden Vereine lag daher nahe.

Dem damaligen Gemeinderat und vor allem Bürgermeister Günter Lauffer ist es zu verdanken, dass die Zeit der dauernden Umzüge und Provisorien 1977 ein Ende fand. Die Stadtmusik erhielt als endgültiges Probelokal den Musikpavillon der Stadthalle zugewiesen. Es standen nun endlich Räumlichkeiten zur Verfügung, die beste Voraussetzungen für hochwertige Proben- und Ausbildungsarbeit bereitstellten. Die Einrichtung eines festen Probelokals wird von den Stadtmusikern, ihren Ausbildern und Schülern nach wie vor hoch geschätzt und dankbar genutzt.

Die 80-er Jahre begannen für die Stadtmusik unter schlechten Vorzeichen. Nach recht arbeitsintensiven Jahren machten sich gewisse „Ermüdungserscheinungen“ in den Reihen der aktiven Musiker bemerkbar. Durch Wegzug aus Berufs- und Ausbildungsgründen wurde dieser Effekt noch verstärkt. Ein Mangel an aktiven Mitgliedern war nicht mehr zu leugnen.

Hier machte sich nun die vorbildliche und erfolgreiche Jugendarbeit der letzten Jahre bezahlt. Durch die Übernahme von fast 20 Jungmusikern in die Hauptkapelle konnte die drohende Krise abgewendet werden. Bereits 1981 bestand die Stadtmusik wieder aus 51 aktiven Musikern. Die Jugendkapelle verfügte daraufhin „nur“ noch über 54 Mitspieler. Durch die Übernahme von so vielen Jugendlichen in die Hauptkapelle machte sich dort ein Mangel an passenden Uniformen bemerkbar. Ohnehin stand eine Neubeschaffung an. Um genügend finanzielle Mittel dafür zu erhalten, verzichteten die aktiven Musiker bereits schon ab 1980 auf das bis dahin ausgezahlte Probengeld. 1981 erhielt die Stadtmusik dann eine weinrote Uniform mit Weste. Erstmals trugen nun auch die Musikerinnen eine schwarze Hose.

Durch die Vermittlung von Heinz Kitiratschky und einem seiner ehemaligen spanischen Arbeitskollegen erhielt die Stadtmusik 1985 eine Einladung vom Musikverein „Sociedad Unión Musical“ im spanischen Museros bei Valencia. Der Besuch fand im August statt.

Unvergesslich war der herzliche Empfang in Museros, wo die Musiker den Eindruck hatten, dass die ganze Bevölkerung des Ortes auf den Beinen war. Neben einem Galakonzert auf dem Marktplatz begleitete die Stadtmusik musikalisch auch eine der zahlreichen Prozessionen, die während dieser Festwoche durchgeführt werden. Die freundschaftlichen Verbindungen, die damals mit den Spaniern geknüpft wurden, bestehen auch noch im Jubiläumsjahr.

Ein harter Schlag für die Stadtmusik war, dass der langjährige Dirigent Wolfgang Petzold Anfang des Jahres 1986 aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr zur Verfügung stand. Neben einer deutlichen Steigerung der musikalischen Leistung verdankt die Stadtmusik viel seiner vorbildlichen Jugendarbeit. Wie noch bei keinem Dirigenten zuvor hat sein Musikstil den Verein über lange Jahre geprägt. Damit die Stadtmusik in dieser Zeit ihren Verpflichtungen nachkommen konnte, wurde die musikalische Leitung dem Vizedirigenten, Peter Castello, übertragen. Die Aufgabe, die ihm zufiel, war nicht leicht zu bewältigen. Schließlich standen, neben den anderen musikalischen Verpflichtungen, noch zwei Festkonzerte auf dem Programm: Zum einen das Doppelkonzert anlässlich des Gegenbesuchs der Musiker aus Museros, andererseits auch das traditionelle Festkonzert zum 3. Advent. Beide Konzerte benötigten eine umfangreiche Probenarbeit zur Vorbereitung. Peter Castello hat durch seinen Einsatz dazu beigetragen, dass die Fortführung der Vereinstätigkeit auch in schwieriger Zeit gesichert war.

Obwohl selbst gesundheitlich angegriffen, führte der 1. Vorsitzende Walter Volk die Vereinsgeschäfte bis zur Neuwahl eines Dirigenten weiter, um sie dann nach 23 Jahren abzugeben. Diese Rekordamtszeit ist einmalig in der Geschichte der Stadtmusik!

Kommissarisch leitete daraufhin der 2. Vorsitzende, Holger Soult, den Verein. Er bewältigte diese Aufgabe in einer Zeit, die aufgrund des Dirigentenwechsels von einem musikalischen Neuanfang geprägt war, routiniert.

Weichenstellung für das nächste Jahrtausend 1987 – 1999

Unter der Leitung von Jürgen Frommherz begann die musikalische Arbeit 1987. Noch rechtzeitig vor dem Festkonzert zum 3. Advent wurde Jürgen Frommherz zum „Städtischen Musikdirektor“ ernannt. Ihm gelang es in der Folgezeit, an die erfolgreiche musikalische Arbeit seines Vorgängers anzuknüpfen und die Leistung des Orchesters noch zu steigern.

Im Februar 1988 konnte Franz Krietemeyer für das verwaiste Amt des 1. Vorsitzenden gewonnen werden und hat es auch im Jubiläumsjahr noch inne. Mit der wieder kompletten Vereinsführung konnten die anstehenden Herausforderungen mit neuem Schwung angegangen werden. Hier ist vor allen Dingen der Wiederaufbau eines Jugendensembles sowie einer Bläserschule zu nennen, um den Bestand der Stadtmusik weiterhin zu sichern.

Als herausragende Aktivität der Stadtmusik ist die Durchführung von Rundfunkaufnahmen in Offenburg anlässlich der „Oberrheinischen Frühjahrsausstellung (ORFA)“ zu nennen. Die Aufnahmen kamen anlässlich einer Sendung des damaligen Südwestfunks zur Ausstrahlung. Vom 24. – 27. Februar 1989 gastierte die Stadtmusik, begleitet von einer Abordnung des Trachtenvereins, wieder beim Mimosenfest in Saint Raphaél.

Im Sommer 1989 wurde auch der erste „Roßberg-Hock“ der Stadtmusik durchgeführt und damit an die Tradition der Sommerfeste von Stadtmusik und Sängerbund angeknüpft. Obwohl er in den Folgejahren teilweise wegen schlechter Witterung ausfallen musste, hat sich der „Roßberg-Hock“ in der Folgezeit als eine allseits beliebte Veranstaltung im Kulturleben der Bergstadt etabliert.

Die politischen Ereignisse Anfang der 90er Jahre, mit der Auflösung des Ostblocks, spiegeln sich auch in der Vereinsgeschichte wieder. So war es der Stadtmusik bereits im April 1990 möglich, eine Einladung aus der gerade demokratisierten CSFR (noch vor der Trennung in die beiden Staaten Tschechien und Slowakei) anzunehmen. Man gastierte bei der Werkskapelle „Poldinka“ im tschechischen Kladno, wobei neben den musikalischen Verpflichtungen auch genügend Zeit verblieb, um das Land mit seiner damals spürbaren Aufbruchstimmung ein wenig näher kennenzulernen. Aber auch die Veränderungen in Deutschland wirkten sich auf das Vereinsgeschehen aus, und so wurde die Feierstunde anlässlich der Wiedervereinigung beider Deutscher Staaten am 3. Oktober 1990 musikalisch würdig umrahmt.

Im Sommer 1991 wurde die Freundschaft zur Musikkapelle im spanischen Museros durch einen Besuch der Stadtmusik erneuert.

Im Mai 1992 begleitete die Stadtmusik die Delegation des Stadtrats zur Feier des 20-jährigen Bestehens der Städtepartnerschaft nach Saint Raphaél. Die feierlichen, klassischen Melodien waren unverzichtbarer Bestandteil des Festaktes. Um die musikalische Jugendarbeit der Stadtmusik einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren, wurde im Herbst 1992 „Peter und der Wolf“ mit großem Erfolg in der Stadthalle aufgeführt. Im Anschluss daran konnten interessierte, jugendliche Zuhörer auch einmal selbst die verschiedenen Instrumente eines Blasorchesters ausprobieren. Einen erneuten Rundfunkauftritt bescherte der Stadtmusik die Teilnahme am Freiburger Münsterplatzfest 1993. Die Aufnahmen wurden anlässlich der Sendung „Fröhlicher Alltag“ des SWF gesendet. Fast schon ein Klassiker unter den Konzertreisen der Stadtmusik war die erneute Teilnahme am Mimosenfest in Saint Raphaél im Februar 1994.

Durch die Übernahme vieler Jungmusiker aus dem Jugendensemble stand im Sommer 1994 nach 12 Jahren (!) wieder einmal die Anschaffung neuer Vereinsuniformen auf dem Programm, was die Vereinskasse enorm belastete.

Den absoluten Höhepunkt der bisherigen Konzertreisen bildete 1994 die Teilnahme am „German – Fest“ in Milwaukee (USA). Dies kam auf Einladung der „Alte Kameraden Band“ aus Freistadt (Wisconsin) zustande. Die Stadtmusik sprang dabei für den Trachtenmusikverein Langenschiltach in die Bresche, der seinen ursprünglich geplanten Besuch überraschend absagen musste. Dieser pflegt schon über lange Jahre freundschaftliche Beziehungen zur „Alte Kameraden Band“.

Die größte Schwierigkeit stellte dabei die Beschaffung von Trachten, besonders für die Musikerinnen, dar. Eine Teilnahme am traditionellen „German – Fest“, wo das Brauchtum der verschiedenen deutschen Volksgruppen, die nach Amerika eingewandert sind, gepflegt wird, war in der normalen Vereinsuniform einfach undenkbar. Vor und nach der Teilnahme am „German – Fest“ verblieb den Stadtmusikern von ihrem 2-wöchigen Ausflug noch genügend Zeit um Chicago, den Grand Canyon und Las Vegas zu besichtigen. 1995 gab sich die Stadtmusik betont europäisch und nahm an einem internationalen Blasmusikfestival in Luxemburg teil, nachdem bereits das Jugendensemble im Mai auf Besuch in Saint Raphaél war.

Die freundschaftlichen Beziehungen zum Musikverein im spanischen Museros ermöglichten dem Jugendensemble der Stadtmusik einen einwöchigen Besuch zur dortigen Festwoche im Sommer 1997. Zum Festkonzert am 3. Advent dieses Jahres erschien auch die erste CD der Stadtmusik. Sie entstand aus einem Konzertmitschnitt von 1994.

Das Jahr 1998 stand bereits ganz im Zeichen der Festvorbereitung auf das 125-jährige Jubiläum der Stadtmusik 1999. Daher blieb neben den üblichen Proben und Konzerten lediglich Zeit, um mit dem Jugendensemble und den Schülern einen Ausflug mit Probenwochenende nach Garmisch-Partenkirchen zu organisieren.

Im Jahr 1999 kann die Stadtmusik nun auf eine 125-jährige Tradition zurückblicken. Es war ein langer Weg von den ersten bescheidenen Anfängen 1874 bis zum heutigen beachtlichen Klangkörper, der auch auf internationalem Parkett Repräsentant der Stadt und der Region ist.

Auch zwei Weltkriege und verschiedenste Rückschläge konnten den Bestand des Vereins nicht gefährden, da sich immer wieder Menschen zusammenfanden, die aus Spaß und Begeisterung für die Musik ihr persönliches Engagement in die Stadtmusik einbrachten.

Heute präsentiert sich die Stadtmusik als moderner Verein, der neben seinem Kulturauftrag und seiner Jugendarbeit eine sinnvolle und hochwertige Freizeitbeschäftigung für Musiker jeden Alters darstellt. Selbstverständlich gehört heute auch die Präsenz im Internet dazu.

Die St. Georgener Dorfmusik 1867 – 1874

Vorgeschichte: Die St. Georgener Dorfmusik 1867-1874

„Die der damaligen Musik angehörenden Männer sehe ich heute noch, nach fast 60 Jahren, genau vor mir und will ich daher zunächst ihre Namen, auch ihre sogenannten „Beinamen“ deren in jener Zeit wohl die meisten „St. Georgener“ einen hatten, bekanntgeben.
Theodor Wintermantel (s‘ Adlerwirts Theodor), Josef Kammerer (d’r Schnitzlersepp), Albert, Schuler (s‘ Schulers Albert), Gottfried Lehmann (s‘ Lenze Rother), Friedrich Obergfell (d’r Schwizerdik), Edmund Maier (s‘ Maierles Edmund), Christian Stockburger (s‘ Philpjoke Christe, auch Posaunenchriste genannt), Alexander Staiger (d’r Wald-Xander), Clemens Staiger (d’r Wald-Menz), Max Weisser (s‘ Hansels Max), Joh. Weisser (s‘ Hansels Hans), David Ketterer (s‘ Maleries David)

Erst von einem Musiklehrer aus Triberg unterrichtet; übernahm zwischenzeitlich ein Militärmusiker namens Mark dessen Stelle, bis ihm dies von seiner vorgesetzten Behörde untersagt wurde. Trotz Verbot widmete er sich heimlich des Unterrichtes; und öfter kam es vor, dass er bei Ausflügen, hinter einem Baum oder Strauch sich verbergend, mitgeblasen hat; zu sehen war er aber nicht.

Wie es aber allerwärts bei Musikern vorkommt, so hat es auch hier fortwährend „gekriselt“. Es wurde fleißig geprobt, gestreikt, aber wenn etwas los war, wo Musik verlangt wurde, so war sie immer da, und zwar immer mit blank geputzten Instrumenten.

Die ersten fünfzig Jahre 1874-1924

Diese von Max Maier erwähnte Neuformation gab sich 1874 den Namen „Stadtmusikverein St. Georgen (Schwarzwald)“. Doch lassen wir nun Max Maier von den Anfangsjahren der Stadtmusik weiter berichten: „Einstweilen probten wir sehr eifrig unter der Leitung eines Herrn Kreutzer aus Furtwangen. Ab Juli 1878 übernahm Herr Musikdirigent Müller aus Triberg die Leitung.“

Über die weitere Entwicklung des Vereins liegen keine schriftlichen Unterlagen mehr vor. Man spielte weniger zu Konzerten, als vielmehr zu sogenannten „rechten Hochzeiten“ auf und vergaß ganz über das fröhliche Musizieren, der Nachwelt darüber zu berichten. Erst seit dem Jahre 1890 wird in den Protokollbüchern regelmäßig über das Vereinsgeschehen berichtet.

Einen Aufschwung erlebte die Stadtmusik 1896 unter dem Dirigenten Rudolf Bausch. Erstmals besuchte man ein Musikfest in Wolterdingen. Mit einem Pferdefuhrwerk rollte eine fröhliche Schar erwartungsvoll über Stock und Stein, gemächlich, aber umweltfreundlich zu diesem ersten Preiswettspiel. Auf der Rückfahrt hatten alle Musiker Anlass zur Freude über ihren ersten Auswärtserfolg, dem bald darauf ein weiterer hinzugefügt werden konnte.

1901 wurde unter der Leitung von Gustav Haas die ersten handgeschriebenen Statuten der Stadtmusik aufgestellt und an die Musiker ausgegeben. Um die Jahrhundertwende wurden enge und freundschaftliche Kontakte mit dem um elf Jahre älteren Turnverein geknüpft. Viele Jahre lang veranstalteten beide Vereine gemeinsam Kameradschaftsabende, Silvester- und Fastnachtsfeiern, die sich bei der Bevölkerung großer Beliebtheit erfreuten.

Die Musik probte 1903 für kurze Zeit im Gasthaus „Krone“, nur zwei Jahre später erhielt sie dann eine Bleibe im Kellergeschoß der heutigen Robert-Gerwig-Schule. Der Eintrag ins Vereinsregister beim Großherzoglichen Amtsgericht in Villingen erfolgte am 29. Juni 1908. Der Verein verfügte damals über 17 aktive Mitglieder. Als Vereinszweck wird in den Statuten unter § 1 genannt: „…Pflege der Musik, gesellige Unterhaltung und Hebung der Feierlichkeit bei besonderen Anlässen (Großherzogs Geburtstag etc.).“

Bei Ausbruch des 1. Weltkrieges wurden viele Musiker einberufen, wodurch die Probenarbeit zeitweise unterbrochen werden musste. Neue belebende Elemente kamen ins Spiel, als der 2. Musikverein in St. Georgen, die Harmonie, sich im April 1919 mit der Stadtmusik zusammenschloss. Mit dem Verkauf von Musikermützen wurde neues Notenmaterial angeschafft. Bemerkenswert sind die Eintragungen im Kassenbuch des Inflationsjahres 1923. So hat der Turnerbund der Stadtmusik für die musikalische Umrahmung einer Bannerweihe den stattlichen Betrag von 400 000 Mark bezahlt. Das Eintrittsgeld für ein Konzert wurde auf 1000 Mark festgelegt.

Unter großer Anteilnahme der ganzen Bevölkerung feierte die Stadtmusik im Jahre 1924 ihr 50jähriges Jubiläum. 38 Gruppen aus nah und fern haben sich damals am Festumzug durch die Stadt beteiligt. Der „Lokalgeschichtsschreiber St.“ fühlte sich berufen, das 50-jährige Jubiläum der Stadtmusik in Reime zu fassen. Unbestätigten Quellen zu Folge soll sich hinter dem Pseudonym der Heimatdichter Rudolf Wintermantel verbergen.


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Die Jahre 1924 -1933

1927 leitete Dirigent Brinkmann einen andauernden musikalischen Aufschwung ein. So konnte beispielsweise anlässlich des Wertungsspiels beim Musikfest in Furtwangen 1928 bereits die Note „sehr gut“ in der Oberstufe erreicht werden.

Es war die Zeit der großen Arbeitslosigkeit, die nicht nur für die Stadt große Probleme brachte, sondern auch für die Stadtmusik. Viele Musiker verließen den Verein, um andernorts Arbeit zu finden. Es wurde beschlossen, bei einer Veranstaltung jedem Aktiven 2 Glas Bier zu bezahlen, um finanzielle Härten auszuschließen.

Zur Heranbildung des musikalischen Nachwuchses entstand 1932 das „Knabenorchester“, welches seine Tätigkeit mit immerhin 16 Mitgliedern aufnahm.

Die Stadtmusik im 3. Reich 1933 – 1945

Die Stadtmusik wurde im März 1933 aufgefordert, eine SS-Standartenkapelle zu gründen, was heftige Streitereien im Verein auslöste. Fast kam es zur Spaltung der Musik.

Letztendlich vermerkt das damalige Protokollbuch zwar, dass alle aktiven Musiker damit einverstanden waren, es gilt jedoch als sicher, dass sie keine andere Wahl hatten. Nicht linientreue Vereine hatten sich damals ja bekanntlich „freiwillig“ selbst aufzulösen. Da die Nationalsozialisten für alle Lebensbereiche und Bevölkerungsgruppen neue Gruppierungen schufen, wundert es nicht, dass die Stadtmusik bald einen übervollen Terminkalender bekam.

Auch im Verein hinterließ das 3. Reich seine Spuren, der 1. Vorsitzende wurde ab 1935 als „Vereinsführer“ bezeichnet.

Man meint zwischen den Zeilen eine gewisse Erleichterung herauszulesen, als am 1.2.1936 in das Protokollbuch eingetragen wurde: „Durch Wegzug des SS-Musikzugführers Paul Brinkmann ist die SS-Standartenkapelle aufgelöst und von jetzt an wird die Musik wieder als Stadtmusik weitergeführt“.

Es kamen schwierige Zeiten für die Kapelle. Viele aktive Musiker wurden zur Wehrmacht eingezogen, elf von ihnen fielen im Krieg. Zwar kamen nun Ältere regelmäßig wieder zur Probe, aber der Mangel an Musikern führte dazu, dass selbst beim „Jungvolk“ für die Mitgliedschaft in der Stadtmusik geworben wurde. Wer in der Stadtmusik mitspielen wollte, wurde vom Jungvolk-Dienst befreit. Viele, die aus politischen oder sonstigen Gründen nicht in dieser Parteiorganisation mitmachen wollten, gingen daraufhin als Jungmusiker zur Stadtmusik.

Mit der Ausrufung des „Totalen Krieges“ 1944 ging auch ein allgemeines Auftrittsverbot einher, und so musste Ende des Jahres die musikalische Arbeit zeitweise eingestellt werden.

Die Nachkriegsjahre 1945 – 1964

Am 30. August 1946 wurde unter Leitung von Willi Springmann der Verein neu gegründet und die genehmigten Statuten durch die Versammlung einstimmig angenommen. Gleichzeitig vereinbarte man für den 11. September ein Probedirigieren mit Herrn Montag aus Villingen, welcher bis 1948 als Dirigent tätig war.

Als Probelokal diente weiterhin das „Musikzimmer“ auf dem Dachboden der Schule, was den Nachteil hatte, dass es über keine Heizmöglichkeit verfügte. Im Winter war trotz Mantel aufgrund der Kälte ein Musizieren nach 21.00 Uhr kaum noch möglich. Die Räumlichkeiten wurden später für schulische Zwecke benötigt, und so bekam die Stadtmusik einen Probenraum in einer Baracke an der Schulstraße zugewiesen.

Diese konnte nun zwar mit einem „Kanonenofen“ notdürftig erwärmt werden, verfügte aber über keine Toilette. Rasch vergrößerte sich die Kapelle von 8 auf 23 Musiker und 16 Jugendliche, was Josef Nopper zu verdanken war. Die mühselige Aufbauarbeit übernahm 1948 als 1. Vorsitzender Karl Schonhard. 1951 wurde Willi Springmann der Dirigentenstab übertragen.

Bis 1952 musste im Übrigen jedes Sitzungsprotokoll gemäß Gesetzgebung der Besatzungsmächte noch die Versicherung enthalten: „Sämtliche Vorstandsmitglieder und Beiräte sowie Dirigenten sind parteilos und gehörten keiner Gliederung der NSDAP an“. In diese Zeit fällt auch die Anschaffung der ersten einheitlichen Bekleidung in Form von blauen „Skifahrermützen“, die durch roséfarbene Hemden ergänzt wurden.

Die Situation des Probenraumes konnte auf Dauer nicht zugemutet werden, und so fand die Stadtmusik erneut eine Bleibe im Schulhaus, diesmal im Kellergeschoß.
Unter der 9-jährigen Stabführung von Willi Springmann verzeichnete die Stadtmusik eine stetige Aufwärtsentwicklung. Von nun an erschien die Stadtmusik in einer „richtigen“ Vereinsuniform, einem taubengrauen Zweireiher und dazu passender Schirmmütze mit badischem Landeswappen.

Als Kieninger 1959 sein Amt als 1. Vorsitzender niederlegte, konnte kein Nachfolger gefunden werden, und so musste vorübergehend der 2. Vorsitzende, Heinz Kitiratschky, die Geschäfte führen, bis der damalige Bürgermeister Paul Leuchtenmacher als Präsident gewonnen werden konnte.

Dieses Amt hatte er bis 1964 inne und wurde darin von den geschäftsführenden Vorsitzenden Erhard Vogel und später noch einmal von Karl Schonhard unterstützt. Auch ein Dirigentenwechsel ist in dieser Zeit zu verzeichnen. Paul Stange übernahm für sieben Jahre die musikalische Leitung.

Unter seiner Stabführung wurden 1964 Tonaufnahmen vom Süddeutschen Rundfunk Stuttgart gemacht, die großen Anklang fanden. Nachdem der Wiederaufbau der Kapelle nach dem Krieg somit als gelungen angesehen werden konnte, stand als nächstes an, den Vereinsbestand durch eine geregelte Ausbildung der Jungmusiker zu sichern.

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Aufschwung in der Ära Volk und Petzold 1964 – 1987

Nach dem Wegzug Herrn Leuchtenmachers 1964 aus St. Georgen war die Stadtmusik ohne Vorstand. Um diesen Zustand zu beenden, stimmte Stadtrat Walter Volk dem Amt des 1. Vorsitzenden zu. Dies war der Beginn einer 23 Jahre dauernden Amtszeit, in der die Stadtmusik sehr an Ansehen in der Bevölkerung dazugewinnen konnte.

Als erstes strebte der neue Vorstand an, dem Verein das Image der „Heinemannmusik“ zu nehmen und seine Rolle als städtischer Kulturträger zu fundamentieren. So wurde zum Beispiel auch der Ablauf der Jahreskonzerte im „Deutschen Haus“ grundlegend geändert: Wurde bisher von einem „Conférencier“ aus Villingen mehr oder weniger gelungen durch das Programm geführt, konnte später Prof. Suppan als Fachmann für konzertante Blasmusik dazugewonnen werden, den Zuhörern in kompetenter Art und Weise die Stücke näher zu bringen. So erfuhren die Jahreskonzerte einen Wandel von reinen Unterhaltungsabenden zu kulturell höherstehenden Veranstaltungen. Die Stadtmusik erreichte dadurch Anerkennung in breiten Kreisen der Bevölkerung und des Stadtrates.

Wieder einmal stand ein Wechsel des Probelokals an. Die Proben fanden nun in der sogenannten „MB-Garage“ statt, etwa am heutigen Standort des Glockenspiels auf dem Marktplatz. Da sich die Anwohner von der Probentätigkeit belästigt fühlten, zog man wenig später in den „MB-Bau“ (gegenüber der St. Georgs Apotheke) um.

Wie bereits erwähnt, bestand die Hauptaufgabe des Vereins nach 1964 darin, den Bestand des Vereins durch Gründung einer Jugendkapelle zu sichern. In Vorstand Volk hatte die Stadtmusik hierfür jemanden gewonnen, der sich mit großem Engagement dieser Aufgabe widmete. Als Lehrer an der Rupertsbergschule begann er auch recht bald und erfolgreich, die Werbetrommel unter den Schülern zu rühren. Die Instrumente für die Jugendausbildung wurden aus den Einnahmen einer dafür abgehaltenen Tombola beschafft.

1966 traten dann die Jugendlichen unter der Leitung von Paul Stange erstmals öffentlich auf. Da der Vorstand den Jugendlichen keinen Auftritt am Abend zumuten und nicht mit dem traditionellen Konzerttermin anderer Musikvereine (2. Weihnachtsfeiertag) kollidieren wollte, fiel die Wahl auf den 3. Advent zur „Kaffeezeit“. Dieser Termin ist seither beibehalten worden und er gehört in St. Georgen zur festen Tradition im Veranstaltungskalender.

Ab 1967 stand mit Wolfgang Petzold dem Vorstand ein Dirigent zur Seite, der sich ebenfalls der Sache der Jugend verschrieben hatte. Unzählige Jugendliche wurden von ihm an den unterschiedlichsten Instrumenten ausgebildet. Darüber hinaus konnte die Stadtmusik unter seiner Stabführung ihre Leistung in bisher nicht gekanntem Maß steigern. Zum Repertoire zählen seither, neben der traditionellen Blasmusik, auch moderne Blasmusikstücke zeitgenössischer Komponisten.

Mit Gründung der St. Georgener Narrenzunft 1967 erwuchs der Stadtmusik in der Teilnahme am Rosenmontags- und Hemdglonkerumzug (später Sternenmarsch) ein neues Betätigungsfeld. Seit dieser Zeit gehören auch zwei Stücke zum Repertoire: Der „Fohrebobbele“ Marsch von Willi Löffler und der „Sandergemer Narremarsch“ von Otto Kiefer (später von Jürgen Frommherz neu arrangiert).

Im September 1967 trat die Stadtmusik erstmals im Ausland auf, anlässlich eines Besuches im französischen Remiremont. Diesem Auftritt schloss sich dann die Teilnahme am internationalen Musikfest in Epinal 1968 an.

Mit der Gründung der Jugendmusikschule, an welcher er als Musiklehrer tätig war, wurde 1968 der Dirigent der Stadtmusik zum „Städtischen Musikdirektor“. Überhaupt entwickelte sich in Bezug auf die Jugendausbildung eine Zusammenarbeit mit der Jugendmusikschule. Diese hat auch stets gerne die Möglichkeit genutzt, gering oder gar nicht besetzte Register mit Musikern der Stadtmusik zu verstärken und umgekehrt.

Anlässlich des 40-jährigen Jubiläums übernahm die Stadtmusik 1968 die Patenschaft für den Musikverein Fischbach.

Aus vereinsrechtlichen Gründen musste 1969 die offizielle Bezeichnung von „Stadtmusikverein St. Georgen im Schwarzwald e. V.“ in „Stadtmusik e. V.“ geändert werden. 1983 wurde dann der noch heute bestehende Name „Stadtmusik St. Georgen im Schwarzwald e. V.“ in das Vereinsregister eingetragen. Diese Umbenennungen waren für die St. Georgener Bevölkerung jedoch unbedeutend, sprach und spricht sie seit jeher immer schon von ihrer „Stadtmusik“.

1974 wurde erstmals, zusammen mit dem Trachtenverein, die Partnerstadt Saint Raphaél besucht.

Für 1975 stand dann die Feier des 100-jährigen Jubiläums der Stadtmusik auf dem Programm. Musikalisch und organisatorisch war der Verein auf einem absoluten Höhepunkt seines bisherigen Bestehens angelangt. Die Kombination aus Walter Volk als Vorstand und Wolfgang Petzold als Dirigent zeichnete sich hier als glückliche Wahl in der Vereinsführung aus.

Mit die schönste Auszeichnung für dieses bewährte Team war die Verleihung der „Pro-Musica-Plakette“ durch den damaligen Bundespräsidenten, Walter Scheel, am 9. März 1975 an die Stadtmusik St. Georgen.

In Zusammenhang mit dem 100-jährigen Jubiläum der Stadtmusik entstanden auch die ersten Fernsehaufnahmen des Vereins. Für einen 3-minütigen Bericht in der Abendschau gastierte ein Aufnahmeteam des Südwestfunks 2 Tage in St. Georgen.

Rechtzeitig zum Jubiläum wurde auch eine neue Einheitskleidung für den Verein gekauft: Eine weiße Uniform, die neben der bisherigen noch eine Zeitlang als ausschließliche „Sommeruniform“ getragen wurde.

Das Fest zum 100-jährigen Jubiläum fand vom 13. – 16. Juni 1975 statt. Auf dem Roßberg wurde ein Festzelt für 3000 Besucher aufgestellt. Höhepunkt war der Festumzug mit 19 teilnehmenden Vereinen. Zum Abschluss des Festes gastierte Schlagersänger „Heino“ am Montagabend, was das Festzelt fast aus allen Nähten platzen ließ.

Durch die Sanierung des Stadtkerns musste wieder das Probelokal gewechselt werden. Das neue Domizil befand sich nun in den Räumen der Kaufmännischen Berufsschule in der Bahnhofstraße.

Als kommunale Aufgabe ersten Ranges stand in jener Zeit auch der Bau der Stadthalle auf dem Programm. Auch die Stadtmusik leistete durch Abhalten eines Benefiz-Konzerts und den Verkauf von „Bausteinen“ ihren Beitrag zur Finanzierung dieses Projekts.

Mit dem Trachtenmusikverein Langenschiltach bekam die Stadtmusik St. Georgen 1977 einen zweiten Patenverein. Die Patenschaft wurde anlässlich des 50-jährigen Bestehens des Trachtenmusikvereins übernommen. Langenschiltach war ja seit der Kreisreform 1973 ein Ortsteil von St. Georgen. Eine gute Zusammenarbeit der beiden Vereine lag daher nahe.

Dem damaligen Gemeinderat und vor allem Bürgermeister Günter Lauffer ist es zu verdanken, dass die Zeit der dauernden Umzüge und Provisorien 1977 ein Ende fand. Die Stadtmusik erhielt als endgültiges Probelokal den Musikpavillon der Stadthalle zugewiesen. Es standen nun endlich Räumlichkeiten zur Verfügung, die beste Voraussetzungen für hochwertige Proben- und Ausbildungsarbeit bereitstellten. Die Einrichtung eines festen Probelokals wird von den Stadtmusikern, ihren Ausbildern und Schülern nach wie vor hoch geschätzt und dankbar genutzt.

Die 80-er Jahre begannen für die Stadtmusik unter schlechten Vorzeichen. Nach recht arbeitsintensiven Jahren machten sich gewisse „Ermüdungserscheinungen“ in den Reihen der aktiven Musiker bemerkbar. Durch Wegzug aus Berufs- und Ausbildungsgründen wurde dieser Effekt noch verstärkt. Ein Mangel an aktiven Mitgliedern war nicht mehr zu leugnen.

Hier machte sich nun die vorbildliche und erfolgreiche Jugendarbeit der letzten Jahre bezahlt. Durch die Übernahme von fast 20 Jungmusikern in die Hauptkapelle konnte die drohende Krise abgewendet werden. Bereits 1981 bestand die Stadtmusik wieder aus 51 aktiven Musikern. Die Jugendkapelle verfügte daraufhin „nur“ noch über 54 Mitspieler. Durch die Übernahme von so vielen Jugendlichen in die Hauptkapelle machte sich dort ein Mangel an passenden Uniformen bemerkbar. Ohnehin stand eine Neubeschaffung an. Um genügend finanzielle Mittel dafür zu erhalten, verzichteten die aktiven Musiker bereits schon ab 1980 auf das bis dahin ausgezahlte Probengeld. 1981 erhielt die Stadtmusik dann eine weinrote Uniform mit Weste. Erstmals trugen nun auch die Musikerinnen eine schwarze Hose.

Durch die Vermittlung von Heinz Kitiratschky und einem seiner ehemaligen spanischen Arbeitskollegen erhielt die Stadtmusik 1985 eine Einladung vom Musikverein „Sociedad Unión Musical“ im spanischen Museros bei Valencia. Der Besuch fand im August statt.

Unvergesslich war der herzliche Empfang in Museros, wo die Musiker den Eindruck hatten, dass die ganze Bevölkerung des Ortes auf den Beinen war. Neben einem Galakonzert auf dem Marktplatz begleitete die Stadtmusik musikalisch auch eine der zahlreichen Prozessionen, die während dieser Festwoche durchgeführt werden. Die freundschaftlichen Verbindungen, die damals mit den Spaniern geknüpft wurden, bestehen auch noch im Jubiläumsjahr.

Ein harter Schlag für die Stadtmusik war, dass der langjährige Dirigent Wolfgang Petzold Anfang des Jahres 1986 aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr zur Verfügung stand. Neben einer deutlichen Steigerung der musikalischen Leistung verdankt die Stadtmusik viel seiner vorbildlichen Jugendarbeit. Wie noch bei keinem Dirigenten zuvor hat sein Musikstil den Verein über lange Jahre geprägt. Damit die Stadtmusik in dieser Zeit ihren Verpflichtungen nachkommen konnte, wurde die musikalische Leitung dem Vizedirigenten, Peter Castello, übertragen. Die Aufgabe, die ihm zufiel, war nicht leicht zu bewältigen. Schließlich standen, neben den anderen musikalischen Verpflichtungen, noch zwei Festkonzerte auf dem Programm: Zum einen das Doppelkonzert anlässlich des Gegenbesuchs der Musiker aus Museros, andererseits auch das traditionelle Festkonzert zum 3. Advent. Beide Konzerte benötigten eine umfangreiche Probenarbeit zur Vorbereitung. Peter Castello hat durch seinen Einsatz dazu beigetragen, dass die Fortführung der Vereinstätigkeit auch in schwieriger Zeit gesichert war.

Obwohl selbst gesundheitlich angegriffen, führte der 1. Vorsitzende Walter Volk die Vereinsgeschäfte bis zur Neuwahl eines Dirigenten weiter, um sie dann nach 23 Jahren abzugeben. Diese Rekordamtszeit ist einmalig in der Geschichte der Stadtmusik!

Kommissarisch leitete daraufhin der 2. Vorsitzende, Holger Soult, den Verein. Er bewältigte diese Aufgabe in einer Zeit, die aufgrund des Dirigentenwechsels von einem musikalischen Neuanfang geprägt war, routiniert.

Weichenstellung für das nächste Jahrtausend 1987 – 1999

Unter der Leitung von Jürgen Frommherz begann die musikalische Arbeit 1987. Noch rechtzeitig vor dem Festkonzert zum 3. Advent wurde Jürgen Frommherz zum „Städtischen Musikdirektor“ ernannt. Ihm gelang es in der Folgezeit, an die erfolgreiche musikalische Arbeit seines Vorgängers anzuknüpfen und die Leistung des Orchesters noch zu steigern.

Im Februar 1988 konnte Franz Krietemeyer für das verwaiste Amt des 1. Vorsitzenden gewonnen werden und hat es auch im Jubiläumsjahr noch inne. Mit der wieder kompletten Vereinsführung konnten die anstehenden Herausforderungen mit neuem Schwung angegangen werden. Hier ist vor allen Dingen der Wiederaufbau eines Jugendensembles sowie einer Bläserschule zu nennen, um den Bestand der Stadtmusik weiterhin zu sichern.

Als herausragende Aktivität der Stadtmusik ist die Durchführung von Rundfunkaufnahmen in Offenburg anlässlich der „Oberrheinischen Frühjahrsausstellung (ORFA)“ zu nennen. Die Aufnahmen kamen anlässlich einer Sendung des damaligen Südwestfunks zur Ausstrahlung. Vom 24. – 27. Februar 1989 gastierte die Stadtmusik, begleitet von einer Abordnung des Trachtenvereins, wieder beim Mimosenfest in Saint Raphaél.

Im Sommer 1989 wurde auch der erste „Roßberg-Hock“ der Stadtmusik durchgeführt und damit an die Tradition der Sommerfeste von Stadtmusik und Sängerbund angeknüpft. Obwohl er in den Folgejahren teilweise wegen schlechter Witterung ausfallen musste, hat sich der „Roßberg-Hock“ in der Folgezeit als eine allseits beliebte Veranstaltung im Kulturleben der Bergstadt etabliert.

Die politischen Ereignisse Anfang der 90er Jahre, mit der Auflösung des Ostblocks, spiegeln sich auch in der Vereinsgeschichte wieder. So war es der Stadtmusik bereits im April 1990 möglich, eine Einladung aus der gerade demokratisierten CSFR (noch vor der Trennung in die beiden Staaten Tschechien und Slowakei) anzunehmen. Man gastierte bei der Werkskapelle „Poldinka“ im tschechischen Kladno, wobei neben den musikalischen Verpflichtungen auch genügend Zeit verblieb, um das Land mit seiner damals spürbaren Aufbruchstimmung ein wenig näher kennenzulernen. Aber auch die Veränderungen in Deutschland wirkten sich auf das Vereinsgeschehen aus, und so wurde die Feierstunde anlässlich der Wiedervereinigung beider Deutscher Staaten am 3. Oktober 1990 musikalisch würdig umrahmt.

Im Sommer 1991 wurde die Freundschaft zur Musikkapelle im spanischen Museros durch einen Besuch der Stadtmusik erneuert.

Im Mai 1992 begleitete die Stadtmusik die Delegation des Stadtrats zur Feier des 20-jährigen Bestehens der Städtepartnerschaft nach Saint Raphaél. Die feierlichen, klassischen Melodien waren unverzichtbarer Bestandteil des Festaktes. Um die musikalische Jugendarbeit der Stadtmusik einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren, wurde im Herbst 1992 „Peter und der Wolf“ mit großem Erfolg in der Stadthalle aufgeführt. Im Anschluss daran konnten interessierte, jugendliche Zuhörer auch einmal selbst die verschiedenen Instrumente eines Blasorchesters ausprobieren. Einen erneuten Rundfunkauftritt bescherte der Stadtmusik die Teilnahme am Freiburger Münsterplatzfest 1993. Die Aufnahmen wurden anlässlich der Sendung „Fröhlicher Alltag“ des SWF gesendet. Fast schon ein Klassiker unter den Konzertreisen der Stadtmusik war die erneute Teilnahme am Mimosenfest in Saint Raphaél im Februar 1994.

Durch die Übernahme vieler Jungmusiker aus dem Jugendensemble stand im Sommer 1994 nach 12 Jahren (!) wieder einmal die Anschaffung neuer Vereinsuniformen auf dem Programm, was die Vereinskasse enorm belastete.

Den absoluten Höhepunkt der bisherigen Konzertreisen bildete 1994 die Teilnahme am „German – Fest“ in Milwaukee (USA). Dies kam auf Einladung der „Alte Kameraden Band“ aus Freistadt (Wisconsin) zustande. Die Stadtmusik sprang dabei für den Trachtenmusikverein Langenschiltach in die Bresche, der seinen ursprünglich geplanten Besuch überraschend absagen musste. Dieser pflegt schon über lange Jahre freundschaftliche Beziehungen zur „Alte Kameraden Band“.

Die größte Schwierigkeit stellte dabei die Beschaffung von Trachten, besonders für die Musikerinnen, dar. Eine Teilnahme am traditionellen „German – Fest“, wo das Brauchtum der verschiedenen deutschen Volksgruppen, die nach Amerika eingewandert sind, gepflegt wird, war in der normalen Vereinsuniform einfach undenkbar. Vor und nach der Teilnahme am „German – Fest“ verblieb den Stadtmusikern von ihrem 2-wöchigen Ausflug noch genügend Zeit um Chicago, den Grand Canyon und Las Vegas zu besichtigen. 1995 gab sich die Stadtmusik betont europäisch und nahm an einem internationalen Blasmusikfestival in Luxemburg teil, nachdem bereits das Jugendensemble im Mai auf Besuch in Saint Raphaél war.

Die freundschaftlichen Beziehungen zum Musikverein im spanischen Museros ermöglichten dem Jugendensemble der Stadtmusik einen einwöchigen Besuch zur dortigen Festwoche im Sommer 1997. Zum Festkonzert am 3. Advent dieses Jahres erschien auch die erste CD der Stadtmusik. Sie entstand aus einem Konzertmitschnitt von 1994.

Das Jahr 1998 stand bereits ganz im Zeichen der Festvorbereitung auf das 125-jährige Jubiläum der Stadtmusik 1999. Daher blieb neben den üblichen Proben und Konzerten lediglich Zeit, um mit dem Jugendensemble und den Schülern einen Ausflug mit Probenwochenende nach Garmisch-Partenkirchen zu organisieren.

Im Jahr 1999 kann die Stadtmusik nun auf eine 125-jährige Tradition zurückblicken. Es war ein langer Weg von den ersten bescheidenen Anfängen 1874 bis zum heutigen beachtlichen Klangkörper, der auch auf internationalem Parkett Repräsentant der Stadt und der Region ist.

Auch zwei Weltkriege und verschiedenste Rückschläge konnten den Bestand des Vereins nicht gefährden, da sich immer wieder Menschen zusammenfanden, die aus Spaß und Begeisterung für die Musik ihr persönliches Engagement in die Stadtmusik einbrachten.

Heute präsentiert sich die Stadtmusik als moderner Verein, der neben seinem Kulturauftrag und seiner Jugendarbeit eine sinnvolle und hochwertige Freizeitbeschäftigung für Musiker jeden Alters darstellt. Selbstverständlich gehört heute auch die Präsenz im Internet dazu.